Für eine Handwerkerstunde zahlst du im Schnitt zwischen 45 € und 60 €, zuzüglich Umsatzsteuer und Kosten für Anfahrt sowie gegebenenfalls Kosten für Materialien.

Da von diesem Stundensatz jedoch 100% der anfallenden Betriebsausgaben des Handwerksbetriebs gedeckt werden müssen, vereinbaren viele Handwerker mittlerweile feste Leistungspauschalen. Diese fallen, je nach Expertise, für den Handwerker deutlich lukrativer aus und machen die Kosten für den Kunden planbar.

Egal, ob beruflich oder geschäftlich - die Wahrscheinlichkeit, dass du irgendwann in deinem Leben einmal einen Handwerker benötigst, ist hoch. Selbst wenn du handwerklich besonders geschickt bist, wird es früher oder später Probleme geben, die nur ein erfahrener Handwerker lösen kann. Wohnst du zur Miete, bekommst du normalerweise nichts von den Handwerkerkosten mit, da alle Rechnungen über den Vermieter laufen, der diese dann über alle Mietparteien auf die Betriebskostenabrechnung umlegt. Als Besitzer einer eigenen Immobilie oder eines PKW’s sieht die Sache dagegen ganz anders aus. In der Regel musst du dann, mit einigen Einschränkungen, die Handwerkerkosten in voller Höhe selbst tragen. Du möchtest einen Handwerker engagieren und fragst dich, mit welchen Kosten du rechnen musst? In diesem Artikel findest du die Antworten…

Wie berechnen sich Handwerkerstunden?

Handwerkerkosten erscheinen dir übermäßig teuer? Dann ist dieser Abschnitt für dich. Von den Kosten, die du pro Handwerkerstunde zahlst, bleiben dem Handwerker nämlich am Ende nur wenige Prozent übrig. Grund dafür ist, dass von dem Stundensatz sämtliche Handwerkerkosten gedeckt werden müssen. Diese setzen sich zusammen aus:

  • 27 % bis 35 % Betriebskosten (z.B. Gehälter, Werkstattmiete, Werkzeug, Geräte, Transporter)
  • 27 % bis 30 % Handwerker-Bruttolohn
  • 10 % bis 13 % tarifliche Sozialaufwendungen
  • 7 % bis 11 % Sozialversicherung für den Handwerker
  • 0,02 % bis 0,03 % Puffer, zum Beispiel im Falle einer Absage durch den Auftraggeber

Wenn die Kosten also zwischen 71,02 Prozent bis 89,03 Prozent betragen, behält der Handwerker bei einem Stundensatz zwischen 40 € und 60 € nur zwischen knapp 10 bis 30 Prozent übrig. Das entspricht bei einem Stundensatz von 40 € nur etwa 4 € bis 12 € beziehungsweise bei einem Stundensatz von 60 € nur etwa 6 € bis 18 €. Das ist teilweise weniger als der Mindestlohn.

Kein Wunder also, dass viele Handwerksbetriebe mittlerweile Pauschalen für erbrachte Leistungen berechnen und Kosten und Löhne kalkulierbarer werden - und zwar auch für den Auftraggeber.

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Wie viel kostet ein Handwerker pro Stunde?

Im Schnitt kostet dich eine Handwerkerstunde zwischen 40 € und 60 €. Die Handwerkerkosten unterscheiden sich, je nach Beruf und Bundesland, allerdings teilweise erheblich. Während eine Reinigungskraft vergleichsweise wenig kostet, sind die Kosten für Profis wie Industriemechaniker oder Zimmerer erheblich. Dabei spielt unter anderem auch das berufliche Risiko eine Rolle.

Hier ein Überblick über die gängigsten Berufe:

Maler und Lackierer

Wände streichen und tapezieren kann für uns Otto Normalverbraucher eine aufwändige Sache sein. Wofür wir oft Tage brauchen, erledigt der Profi binnen weniger Stunden. Das lässt sich der Maler und Lackierer im Schnitt mit 30 € bis 40 € pro Stunde bezahlen.

Tischler bzw. Schreiner

Tischler fertigen Werkstücke aus Holz. Sie nehmen im Schnitt zwischen 30 € bis 45 € pro Stunde, plus Materialkosten. Bei Profis, die komplizierte Projekte umsetzen, kann es auch deutlich mehr sein.

Maurer

Für eine Maurerstunde zahlst du im Schnitt zwischen 35 € und 50 € pro Stunde, je nach Größe und Schwierigkeit des Auftrags. Der Großteil der Kosten beläuft sich dabei auf den Transport der oft schweren Materialien.

Elektroniker

Elektronik ist eine heikle Sache. Wer ahnungslos an offenen Kabeln herumspielt, kann schnell das Nachsehen haben. Daher lohnt es sich, im Fall des Falles einen Elektriker zu bestellen. Dafür fallen im Schnitt zwischen 45 € und 55 € pro Stunde an. Übrigens werden unter dem Begriff Elektroniker auch Berufe wie Systemelektroniker oder Informationselektroniker zusammengefasst. Die Stundensätze können entsprechend abweichen.

Anlagenmechaniker

Anlagenmechaniker kennen viele von uns eher als Klempner. Obwohl es sich bei einem Klempner streng genommen nicht um einen Anlagenmechaniker handelt. Denn eigentlich sind es die Anlagenmechaniker, die sich um Installation und Instandhaltung von Sanitär- und Heizungsanlagen kümmern. Dafür berechnen sie im Schnitt einen Stundensatz zwischen 45 € und 60 €. Zahlen tust du hier hauptsächlich für die Expertise, denn bei tiefliegenden Rohrverstopfungen und Rohrbrüchen hilft ein Anlagenmechaniker schnell und zuverlässig.

Mechatroniker

Mechatroniker arbeiten in vielen unterschiedlichen Bereichen. Die meisten von uns kennen sie aus dem KFZ-Bereich. Die Stundensätze von Mechatronikern variieren zwischen 45 €  und 52 €. Abgerechnet wird in der Regel pro angebrochene Viertelstunde. Das kommt dir vor allem bei kleineren Reparaturen zugute.

Industriemechaniker

Industriemechaniker sorgen dafür, dass in der Produktion alles reibungslos funktioniert. Dafür lassen sie sich auch gut bezahlen. Im Schnitt verlangen Industriemechaniker einen Stundensatz zwischen 45 € und 75 €.

Dachdecker

Auch Dachdecker liegen kostentechnisch eher im oberen Bereich. Das hängt vor allem mit dem hohen Berufsrisiko zusammen. Im Schnitt zahlst du für Dachdeckerleistungen zwischen 50 € und 60 € pro Stunde.

Zimmerer

Ähnlich wie die Tischler, arbeiten auch Zimmerer hauptsächlich mit Holz. Allerdings sind sie in erster Linie an Hausbau-Projekten beteiligt, wo sie gemeinsam mit Dachdeckern und Maurern agieren. Auch Zimmerer tragen ein hohes Berufsrisiko. Ihr Stundensatz beträgt zwischen 50 € und 110 €.

Fliesenleger

Fliesenleger rechnen üblicherweise pro Quadratmeter ab. In Ausnahmefällen arbeiten sie aber auch für einen Stundensatz. Dieser beläuft sich auf etwa 40 € bis 50 €, plus Materialbedarf.

Schornsteinfeger

Schornsteinfeger scheint mittlerweile ein aussterbender Beruf zu sein. Immer weniger Häuser verfügen über einen Schornstein und auch der Beruf des Schornsteinfegers wird immer seltener ergriffen. Zusätzlich zum Seltenheitswert des Schornsteinfegers kommt das vergleichbar hohe Unfallrisiko dieses Berufsbildes. Stundensätze für Schornsteinfeger liegen daher mit 50 € bis 80 € pro Stunde, eher im oberen Durchschnitt.

Bodenleger

Generell gilt: je einfacher der Boden, desto günstiger der Stundensatz. Die Kosten für Bodenleger variieren daher stark. Los geht’s ab circa 40 € pro Stunde. Für komplizierte Bodenverlegungen, wie zum Beispiel ein Mosaikboden, kann der Stundensatz bis zu 100 € betragen.

Parkettleger

Parkettleger sind Spezialisten unter den Bodenlegern. Für einen professionell verlegten Parkettboden zahlst du zwischen 45 € und 65 € pro Stunde, plus Materialkosten.

Ausbaufacharbeiter

Bei diesem Berufsbild handelt es sich um Profis, die vor allem bei der Fertigstellung von Häusern zum Einsatz kommen. Dabei benötigt der Ausbaufacharbeiter eine Vielzahl von Materialien und Werkzeugen sowie einen guten Versicherungsschutz. Dafür zahlst du einen Stundensatz zwischen 50 € und 55 €.

Gebäudereiniger

Reinigungskräfte und Gebäudereiniger arbeiten sowohl in gewerblichen Gebäuden als auch in privaten Wohnhäusern. Preislich liegen sie eher im unteren Durchschnitt. Ihr Stundensatz beträgt in der Regel zwischen 20 € und 30 €. Handelt es sich um einen Profi, zum Beispiel einen Fensterreiniger, kann der Stundensatz auch höher ausfallen.

Glaser

Glaser kommen häufig bei Projekten rund um den Hausbau zum Einsatz. Ihr Stundensatz ist, je nach Schwierigkeitsgrad des Projekts, nicht ganz billig. Hinzu kommt der oft aufwendige Materialtransport. Zwischen 50 € und 90 € pro Stunde sind üblich.

Trockenbauer

Trockenbauer arbeiten meistens mit Ausbaufacharbeitern zusammen. Ihr Stundensatz liegt jedoch meist etwas darunter, da ihre Dienstleistung weniger anspruchsvoll ist. Für einen Trockenbauer zahlst du im Schnitt zwischen 35 € und 45 € pro Stunde.

Steinmetz

Steinmetze sind nicht nur im künstlerischen Bereich tätig. Auch beim Ausbau von Terrassen oder privaten Gehwegen aus Naturstein kommen sie häufig zum Einsatz. Ihr Stundensatz beläuft sich dabei auf etwa 50 € bis 75 € pro Stunde.

Raumausstatter

Der Beruf des Raumausstatters mutet eher künstlerisch an. Sie sind es, die Innenräumen das gewisse Etwas verleihen. Dafür verlangen sie einen Stundensatz zwischen 35 € und 45 €, plus Materialkosten.

Ofen- und Luftheizungsbauer

Planung, Bau und Installation von Öfen lassen sich Ofen- und Luftheizungsbauer mit einem stattlichen Stundensatz zwischen 45 € und 55 € bezahlen.

Änderungsschneider

Bei vielen Schneidern ist eine Abrechnung nach Leistung üblich. Wird ein Stundensatz berechnet, liegt dieser meistens zwischen 25 € und 35 €.

Klempner

Klempner sind vor allem für die Verkleidung von Dachflächen, Fassaden und Schornsteinen sowie die Montage von Regenrinnen und Fensterbänken zuständig. Ihr Stundensatz beträgt im Schnitt zwischen 40 € und 70 €.

Metallbauer

Die Treppe in deinem Treppenhaus wurde sicherlich größtenteils von einem Metallbauer installiert. Diese verlangen zwischen 50 € und 60 € pro Stunde, je nach Material- und Werkzeugbedarf.

Brunnenbauer

Brunnenbauer fahren oft schweres Geschütz auf, wenn ein neuer Brunnen gebaut wird. Das lassen sie sich mit einem Stundensatz zwischen 60 € und 120 € auch gut bezahlen.

Was darf ein Handwerker für An- und Abfahrt berechnen?

Bei Handwerkerleistungen ist es meist üblich, auch An- und Abfahrt zu berechnen. Schließlich muss auch die Zeit berücksichtigt werden, in der die Handwerker zum Einsatzort unterwegs sind, auch wenn in dieser Zeit nicht aktiv Leistung erbracht wird. Gerade, wenn es sich um kleinere Aufträge handelt, die nicht viel Zeit in Anspruch nehmen, sei die Berechnung von An- und Anfahrt gerechtfertigt. So lautete ein entsprechendes Urteil des Amtsgerichts Stadthagen, das zugunsten der Handwerksbetriebe ausfiel. Demnach darf der Handwerker die An- und Anfahrt selbst ohne vorherige Absprache mit seinem Auftraggeber in Rechnung stellen. In der Regel werden An- und Abfahrt pro Kilometer abgerechnet. Für jeden angefallenen Kilometer fallen bis zu 0,50 € an. Und auch die Berechnung für An- und Abfahrt mit einem Stundensatz von 55 € ist üblich. Ein fairer Handwerker rechnet hier allerdings pro Viertelstunde ab.

Was nimmt ein Handwerker die Stunde schwarz?

Wie wir bereits gesehen haben, müssen Handwerksbetriebe von dem gezahlten Stundensatz oft hohe Abgaben zahlen. Ein Großteil fällt dabei auf Sozialaufwendungen. Und auch die anfallenden Steuern machen einen nicht zu vernachlässigenden Anteil der Kosten aus. Kein Wunder also, dass Schwarzarbeit in der Handwerkerbranche noch immer ein häufiges Phänomen ist. In der Regel profitieren beide Parteien - Kunde und Handwerker - von der Bezahlung “auf die Kralle”. Schließlich liegt der Satz mit circa 15 € pro Stunde deutlich unter den gängigen Kosten für eine Handwerkerstunde. Legal ist das allerdings nicht. Handwerksbetriebe, die über längere Zeit ungewöhnlich niedrige Einnahmen aufweisen, wecken schnell das Interesse der Finanzbehörde. Und auch der Auftraggeber macht sich bei der Beschäftigung von Schwarzarbeitern strafbar.

Fazit

Handwerkerstunden sind zwar nicht ganz billig, aber durchaus gerechtfertigt, bedenkt man die Aufwendungen, die ein Handwerksbetrieb zu tragen hat. Neben Betriebs-, Material-, Transport- und Lohnkosten fallen hohe Ausgaben für Sozialaufwendungen und Steuern an. In den meisten Berufen ist ein Stundensatz zwischen 40 € und 60 € üblich. Handelt es sich um einen Spezialisten, können die Stundensätze allerdings auch schnell über 100 Euro betragen. Hinzu kommen, vor allem bei kleineren Aufträgen, noch Kosten für An- und Abfahrt sowie für verwendete Werkstoffe. Um Steuern und Sozialabgaben zu sparen und wettbewerbsfähig zu sein, bieten viele Handwerksbetriebe unter der Hand Schwarzarbeit an. Auftraggeber zahlen dann nur etwa 15 € pro Stunde. Allerdings machen sich damit beide Parteien strafbar. Auftraggeber stattdessen daher die Leistung des Handwerkers anerkennen und entsprechend vergüten, denn in der Regel ist sie es wert.